Grüne Bundestagsabgeordnete aus Köln


„Ich wollte selbst etwas verändern“

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Foto Cornelis Gollhardt
Foto Cornelis Gollhardt

Am 9.7. hatte ich die große Freude, an meiner Alma Mater, der Universität zu Köln, eine Festrede bei der Absolventenfeier der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zu halten. Im Rahmen dessen habe ich der Fakultät ein Interview zu meiner Zeit an der Uni und meinen Erfahrungen in der Politik gegeben.

 

Frau Dröge, wie sind Sie zur Politik gekommen?

Ich bin bereits mit 14 Jahren bei der Grünen Jugend aktiv geworden. Eigentlich wollte ich zu Greenpeace, aber in dem Dorf, in dem ich bis zum Abitur gewohnt habe, gab es keine Jugendgruppe. So ist es die Grüne Jugend geworden. Am Anfang haben mich die klassischen Umweltschutzthemen begeistert, später, im Studium, habe ich mich stärker auf sozial- und wirtschaftspolitische Fragen konzentriert. Ich hatte immer den Eindruck, dass es keinen Sinn macht, sich immer nur zu beschweren, wenn Dinge nicht so laufen, wie man sie möchte. Ich wollte selbst etwas verändern. Und dafür war die Grüne Jugend und später die Grünen auch guter Ort.

Wie würden Sie Ihren Berufsalltag in einem Satz beschreiben?

Jeder Tag ist anders, und das finde ich auch so großartig an diesem Job.

Sie pendeln zwischen Berlin und Köln. Wie vereinbaren Sie Familie und Beruf miteinander?

Im Bundestag gibt es feste Berlinwochen, in denen alle Abgeordneten anwesend sein müssen, und feste Wahlkreiswochen, für mich also Köln-Wochen. Ich würde sagen ich bin etwa die Hälfte der Wochen im Jahr in Berlin und die andere Hälfte in Köln. Da der Ältestenrat die Berlinwochen langfristig vorher festlegt, kann man gut planen, wann man wo ist.  Wie fast alle Kollegen habe ich neben der Wohnung zu Hause noch eine kleine Wohnung in Berlin. Seit mein Sohn auf der Welt ist, pendeln mein Mann und ich gemeinsam zwischen Berlin und Köln hin und her. Wir haben das Glück, dass er seinen Beruf auch in Berlin ausüben kann. Bei den allermeisten Kollegen bleibt die Familie aber während der Berlinwochen zu Hause. Beide Varianten erfordern viel Organisation und sind anstrengend. Deshalb ist die Entscheidung für ein Bundestagsmandat eine Entscheidung, die die ganze Familie betrifft und von allen gewollt werden muss.

Hat Ihr VWL-Studium an der WiSo-Fakultät Ihnen im Politik-Leben geholfen?

Ja. Ich mache Wirtschaftspolitik im Bundestag. In vielen Fachdebatten kann ich auf das zurückgreifen, was ich im Studium gelernt habe. Das gilt insbesondere bei der Bewertung von wissenschaftlichen Studien zur Politikberatung oder in Expertenanhörungen oder Fachgesprächen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass mein Studium deutlich praxisnäher gewesen wäre, und wir im Rahmen von Vorlesungen und Seminaren mehr aktuelle wirtschaftspolitische Sachverhalte diskutiert und analysiert hätten. Ich hatte nicht immer den Eindruck, dass unsere Vorlesungen auf solche Fragen ausreichend vorbereiten. 

Denke ich an meine Studienzeit in Köln zurück, denke ich an…

…die vielen Freunde, die ich während meines Studiums kennengelernt habe und mit denen ich mich bis heute eng verbunden fühle.

Was sind Ihre Tipps an unsere Studierenden?

Meine Erfahrung, nach allerdings nicht so vielen Jahren Berufsleben ist, dass beruflich eine große Chance darin liegen kann, mich nicht nur zu fragen, was der Arbeitgeber von mir will, sondern auch was ich von meinem Job will. 

 

Dieses Interview ist ursprünglich auf der Homepage der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln erschienen. 

 

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