Grüne Bundestagsabgeordnete aus Köln


Blind für die Zukunft

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Foto: Sofia Sechi
Foto: Sofia Sechi

Die deutsche Autoindustrie macht sich selbst kaputt. Es ist höchste Zeit, Gruppenklagen in Deutschland einzuführen und es braucht strengere Grenzwerte für Feinstaub.

Wie schlecht es läuft, wenn der Wettbewerb in der Wirtschaft ausgeschaltet wird, kann man nahezu lehrbuchhaft an den deutschen Autobauern sehen. VW, Daimler, BMW, Porsche und Audi stehen im Verdacht, über 30 Jahre illegale Kartellabsprachen getroffen zu haben: Über die Qualität ihrer Produkte, über Zulieferer und Märkte. Über 1000 Geheimtreffen soll es gegeben haben – mit der Folge, dass die Kunden schlechtere Autos zu höheren Preisen kaufen mussten.

Das Geheimkartell dürfte sogar dazu geführt haben, dass die Gesundheit von Millionen Menschen wissentlich geschädigt wurde: Software-Manipulationen haben dazu geführt, dass Dieselautos auf den Straßen fahren, die mehr Feinstaub ausstoßen, als erlaubt. Feinstaub, der zu Herzkreislauf- und Lungenkrankheiten führt. Mit diesen Vorwürfen befassen sich mittlerweile die Staatsanwaltschaften.

Doch es geht nicht nur um die Vergangenheit. Mit ihren Allmachtsfantasien wurden die Autobosse blind für die Zukunft. Die zentrale Innovation, den umweltfreundlichen Elektroantrieb, haben sie verschlafen. Jetzt ist es ausgerechnet die Deutsche Post, die Elektrolieferwagen verkauft. Die deutsche Autoindustrie macht sich so selbst kaputt.

Doch nicht nur der Betrug, auch der politische Einfluss der Autobauer ist problematisch. Lobbyismus für zu niedrige Feinstaubgrenzwerte und mangelhafte Kontrollen sind die Bilanz von Kanzlerin Merkel. Selbst nachdem die Kartell- und Manipulationsvorwürfe bekannt wurden, hat sie nicht gehandelt. Sie hält weiterhin ihre schützende Hand über die Konzerne! Mehr als ein mickriges Software-Update haben die Autobauer bislang nicht versprochen. Das ist schlecht für die Autobesitzer – und für die Menschen, die weiterhin dreckige Luft einatmen müssen.

Es ist höchste Zeit, Gruppenklagen in Deutschland einzuführen. Geschädigte Verbraucher könnten sich so zusammentun und leichter gegen betrügerische Konzerne klagen. Wir müssen die E-Mobilität voranbringen. Ab 2030 sollten nur noch abgasfreie Autos zugelassen werden. Und es braucht strengere Grenzwerte für Feinstaub und effektive Kontrollen durch die Behörden. Dafür setzen sich die Grünen ein. So hilft man am Ende nicht nur den Menschen, man schafft auch eine Zukunftsperspektive für die deutsche Automobilindustrie.

 

Dieser Artikel ist zuerst auf der Homepage der Frankfurter Rundschau unter dem Titel "Das Versagen von Politik und Autobossen" erschienen.